Im Erweiterungsbau des Klosters in Hamborn entstand 2010 auch eine moderne und schlicht eingerichtete Kapelle, die gelegentlich fürs Chorgebet, für Messen und zunehmend für Aussegnungsfeiern der Pfarrei St. Johann genutzt wird. Hatte die Kapelle in denersten Jahren keine besondere Widmung, etablierte sich zuletzt der Name „Norbert-Kapelle“. Allerdings war bisher in der Kapelle keine Darstellung, die auf den Namensgeber hinwies.
2015 gelangten aus dem ehemaligen Prämonstratenser-Kloster Ilbenstadt elf Gemälde mit überlebensgroßen Darstellungen Seliger und Heiliger des Ordens nach Hamborn. Die Bilder waren jedoch in einem erbärmlichen Zustand, da sie ungeschützt jahrzehntelang in einem Speicherraum hinter der Orgel der Ilbenstädter Stiftskirche gelagert waren. Die Kirchengemeinde und das Bistum Mainz hatten keine Verwendung für die Kunstwerke.
Abtei Hamborn erhält Dauerleihgabe aus Ilbenstadt
Die Hamborner beschlossen, nach einer Möglichkeit zur Restaurierung und Aufhängung der Bilder zu suchen. Zunächst mussten die Eigentumsverhältnisse geklärt werden. Das Ergebnis: Die elf Bilder sind Eigentum der Kirchengemeinde Ilbenstadt und nicht des Bistums Mainz. Es kam zu einer Einigung. Die Ilbenstädter Gemeinde übergab die Bilder der Abtei Hamborn als Dauerleihgabe.
Es folgte die Kontaktaufnahme zu den Benediktinerinnen aus dem Kloster Engelthal, das elf Kilometer von Ilbenstadt entfernt liegt. Die Schwestern haben eine Werkstatt, in der sie im Auftrag der Diözese Mainz Gemälde und Skulpturen restaurieren. Die Leiterin ist Diplom-Restauratorin Schwester Johanna Stüer. Sie bekam zunächst Fotos der gemalten Ordensmänner- und frauen zugeschickt. Danach fiel die Entscheidung, zuerst das Bild des Heiligen Norbert, also des Ordensgründers, nach Engelthal zu bringen.
Geschnitzter Rahmen mit Fehlstellen
Anfang 2023 transportierten die Gebrüder Schornstein aus Hamborn das 2,17 mal 1,70 Meter große Bild in einer eigens dafür angefertigten Holzkiste nach Hessen. Bei der Übergabe des Gemäldes stellte die Expertin fest, dass der Zustand viel schlechter war als erwartet. Zur Überraschung der Restauratorin zeigte sich ein sehr wertvoller geschnitzter Rahmen mit Fehlstellen und starkem Holzwurmbefall. Die Signatur wies auf den Maler Hermann Boss hin. Er hatte das Gemälde laut Angabe im Jahr 1695 fertiggestellt.
Die Restaurierung drängte nicht. Schwester Johanna sollte daran arbeiten, wenn terminierte Aufträge des Bistums Mainz es zuließen. Umfang und Dauer waren daher nicht absehbar.
Platz an der Stirnseite der Norbert-Kapelle
Die Arbeiten zogen sich bis in den Februar 2026. Das Ergebnis ist beeindruckend. Das Gemälde ist mittlerweile wieder in Hamborn und soll seinen Platz an der Stirnseite der Norbert-Kapelle finden.
Die nächste Restaurierung ist bereits geplant: Demnächst soll das Bild von Wilhelm Eiselin (1564-1588) restauriert werden. Der war ein 1593 seliggesprochener Kanoniker der ehemaligen Reichsabtei Rot an der Rot in Oberschwaben.
Fotos: Dr. Klaus Wehrmann